Call for Papers: Streit ums Land!

Eine Tagung des Strukturverbunds „KulturWissen vernetzt“

Termin: 5. November 2026

Ort: Landesmuseum Württemberg, Reinhold-Würth-Saal

Streit ums Land! Hilft uns Kultur, ländliche Räume zu verändern?

Klimawandel, Wirtschaftskrise, Digitalisierung sowie Energie- und Mobilitätswandel stellen unsere Gesellschaft derzeit vor große Herausforderungen. Besonders ‚auf dem Land‘ entstehen aus der grundlegenden Veränderung sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Strukturen Dilemmata und Konflikte. Sichtbar wird dies etwa beim Ausbau erneuerbarer Energien, wenn Artenschutz und Klimaschutz verhandelt werden müssen. Oder durch den Transformationsdruck der Automobilindustrie, der an die vielen kleineren Unternehmen im ländlichen Raum weitergegeben wird. Die wachsende Unzufriedenheit manifestiert sich besonders außerhalb der Metropolen in besorgniserregenden Wahlergebnissen. Dazu geraten vermeintlich feststehende Säulen demokratischer Kultur- und Erinnerungsarbeit zunehmend ins Kreuzfeuer politischer Debatten.

In diesem Spannungsfeld kommt Kulturinstitutionen und Kulturinitiativen eine neue Rolle zu: Von Beobachtern und Analytikern werden sie zunehmend zu Akteuren und Moderatoren des gesellschaftlichen Wandels. In Förderformaten von Politik und Stiftungen werden sie immer mehr als gesellschaftspolitische Player adressiert und angefragt. Daraus ergibt sich ein Wandel im Selbstverständnis dessen, was Kulturarbeit leisten soll. Neue Zuständigkeitsfelder und Arbeitspraktiken entstehen, die wir bei dieser Tagung erfassen und diskutieren möchten.

Leitfragen sind:

  • Wie können kulturvermittelnde Projekte Transformationsprozesse begleiten?
  • Auf welche Weise können sie dazu beitragen, demokratische Prozesse zu fördern, Spannungen und Spaltungen zu überwinden?
  • Aber auch kritisch gefragt: Werden hier Zuständigkeiten verschoben und Probleme abgewälzt? Kann und soll Kulturarbeit überhaupt zur Stärkung ländlicher Räume und zur Demokratieförderung beitragen?
  • Welche Rolle spielen Museen, zivilgesellschaftliche Initiativen, lokale Archive, Erinnerungsorte und andere wissensvermittelnde Akteure bei der Reflexion, Vermittlung und Gestaltung von Veränderung und Konflikt?
  • Wie verändert all das die Rolle, die Arbeitspraxis und das Selbstverständnis kultureller Arbeit?

Die Tagung richtet sich an Kulturschaffende in Kulturinstitutionen, Projekten und Initiativen und lädt dazu ein, Projekte vorzustellen und gemeinsam zu reflektieren. Gesucht sind Praxisbeispiele, die sich mit den aktuellen Konflikten, Aushandlungen und Potenzialen ländlicher Räume beschäftigen und dabei das neue Selbstverständnis und neue Arbeitspraktiken in der Kulturarbeit als gesellschaftspolitische Akteure erprobt haben und reflektieren wollen. Zusätzlich zu Kurzvorträgen können Projekte in einer Poster-Session vorgestellt werden.

Bitte senden Sie ein kurzes Abstract (max. 250 Wörter) für einen Kurzvortrag oder eine Projektvorstellung für die Poster-Session bis zum 15. Juli an karin.buerkert@uni-tuebingen.de 

Bildnachweis: Klaus Bärwinkel CC BY 4.0