Workshop Museo Mobile. Austausch über mobile Museumsformate

Der Workshop zum Thema mobile Museumsformate fand vom 20. bis 21. März 2023 im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe statt. Thomas Thiemeyer eröffnete die Veranstaltung als Mitglied des Strukturverbundes „KulturWissen vernetzt“, der zu diesem Austausch eingeladen hatte. Er gab eine kurze Einführung in das Themengebiet sowie in die geplanten Workshops. Im Anschluss stellten sich die Mitglieder des Verbundes und ihre jeweiligen Schwerpunkte vor.

Der Strukturverbund „KulturWissen vernetzt“

Brigitte Heck präsentierte das Karlsruher „Museum X“ als Beispiel für museale Transformationen. In den ehemaligen Räumen des Museums für angewandte Kunst und Design ist mit dem „Museum X“ ein freier Raum entstanden, in dem Gruppen zusammenkommen können. Das Museum versteht sich dabei als „dritter Ort“, wobei diesem Ansatz auch ein starker Fokus auf die Gegenwart zugrunde liegt. Das partizipative Sammlungsprojekt der Sonderausstellung „Leben 20.15“ arbeitet mit Gastkurator:innen zusammen, die eigene Objektideen einbringen. Parallel dazu setzt das Badische Landesmuseum verstärkt auf „Creative User Empowerment“, indem es Bestände zugänglicher macht; auch die Museumsapp „Ping!“ soll hier einen niedrigschwelligen Zugang ermöglichen.

Matthias Möller stellte den Strukturverbund „KulturWissen vernetzt“ vor, welcher die Arbeit des Verbundes „Vernetzt lernen, forschen, vermitteln. Eine Kooperation volkskundlicher Sammlungsinstitutionen mit Universitäten“ fortführt. Möller erläuterte, wie die gemeinsame Arbeit im Rahmen des neuen sechsjährigen Projekts geplant wurde. Ein zentraler Bestandteil des Projekts soll zudem die Untersuchung der Faktoren sein, die Hindernisse für Kooperationen bilden.

Markus Speidel präsentierte das Pop-up-Museum Knittlingen des Museums der Alltagskultur. Als Leitfrage erörterte er die unterschiedlichen Möglichkeiten von Partizipation bei stationären im Vergleich zu mobilen Formaten. Das Pop-up-Museum ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landesmuseum Württemberg, des Museums der Alltagskultur, der Landesstelle für Alltagskultur in Stuttgart und des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen. In einem alten Ladengeschäft in Knittlingen wurde aus den dort noch lagernden „Ladenhütern“ eine Pop-up-Ausstellung eingerichtet. Eine ursprünglich geplante partizipative Erarbeitung konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht realisiert werden. Im Sommer 2021 wurde das Museum für zwei Wochen geöffnet und zog in dieser Zeit etwa 800 Gäste an. Durch interaktive Stationen wurden die Besucher:innen aktiv eingebunden; zudem wurde eine digitale Kopie des Museums mittels 360°-Fotografie angefertigt.

Sabine Zinn-Thomas gab Impulse aus der Arbeit der Landesstelle für Alltagskultur in Stuttgart. Sie führte aus, dass die Grundfragen der Präsentation materieller und immaterieller Kultur in der Institution immer wieder neu gestellt werden. Zinn-Thomas erläuterte, dass derzeit erfasst werde, wie aktuell präsentiert wird, um darauf aufbauend die bestehenden Präsentationen zu aktualisieren.

Karin Bürkert und Matthias Möller stellten die Masterstudienprojekte der Universitätsinstitute in Tübingen und Freiburg sowie deren Ergebnisse vor. Das Tübinger Studienprojekt untersuchte die rurale Transformation der Gemeinde Neckarwestheim, wobei die Studierenden die Veränderung des Ortes sowie die Bedeutung des dortigen Kernkraftwerkes erforschten. Das Freiburger Studienprojekt befasste sich mit der urbanen Transformation des geplanten Stadtteils Dietenbach und sammelte partizipativ Material zu den Themen Strukturwandel, Stadt und Protest.

Bürkert und Möller planen, die Ergebnisse in einem mobilen Format zu präsentieren, um den Forschungspartner:innen etwas zurückzugeben. Da beide Projekte Phänomene untersuchen, die Auswirkungen auf die Umlandsgemeinden haben, wird dort eine interessierte Öffentlichkeit erwartet. Als Hauptziele des „Museo Mobile“ formulierten sie die Darstellung einer verschränkten Perspektive auf Urbanität und Ruralität, die Nutzung partizipativer Ansätze und mobiler Beteiligungsformate, die Präsentation an aussagekräftigen Orten sowie eine flexible und vernetzte Nutzung innerhalb des Verbundes.

„Geschichte unterwegs“ – Historisches Museum Hannover

Im ersten Vortrag des Workshops stellte Jan Willem Huntebrinker das Projekt „Geschichte unterwegs“ als mobiles Vermittlungsformat des Historischen Museums Hannover vor. Die derzeitige „Baustellensituation“ des Museums wurde genutzt, um durch dieses Projekt dennoch nahbar und offen zu bleiben. „Geschichte unterwegs“ soll Outreach und Partizipation miteinander verbinden. In Kooperation mit Partner:innen ist geplant, die Ausstellung auch in anderen Museen, Stadtteilzentren, Seniorenheimen und im öffentlichen Raum zu präsentieren.

Die Ausstellung „Was ist Linden?“ wurde im Vorfeld partizipativ geplant. Das Projekt umfasst eine Outdoor-Ausstellung in Kooperation zwischen dem Historischen Museum Hannover (HMH) und einem Stadtteilzentrum. Die Frage nach Bezugspunkten zum Stadtviertel Linden bot eine niedrigschwellige Möglichkeit für Menschen aus der Stadt, zusammenzukommen und mit professioneller Unterstützung Texte und Bilder zu erstellen. Die Erarbeitung erstreckte sich über etwa fünf Monate und mündete in einer Bauzaun-Ausstellung im öffentlichen Raum. Während der eigentlichen Ausstellungsphase konnte die Partizipation nicht weitergeführt werden, dennoch wurde deutlich, dass die erhöhte öffentliche Zugänglichkeit das Erreichen neuer Gruppen ermöglicht.

Das Projekt „Diskussionslabor – Einschnitte“ lud noch stärker zur Partizipation ein; die Ausstellung erweiterte und veränderte sich durch die Beiträge der Menschen kontinuierlich. Das HMH organisierte hierfür drei Plattformen auf öffentlichen Plätzen. Ein im Vorfeld geführter Austausch mit Gewährspersonen vor Ort erhöhte die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Das Projekt „Hannover MIT(TE) gestalten“, organisiert vom Rathaus, sollte Bürgerbeteiligung zum Thema Veränderungen in der Innenstadt ermöglichen. Das HMH ergänzte diesen Prozess durch neue Zugänge: Mobile Stelen mit historischen Fotos des Stadtbildes sollten emotionale Reaktionen hervorrufen. Hierfür wurden Fotos gewählt, die ungewöhnliche Nutzungen des öffentlichen Raumes zeigten. Der Austausch mit den Menschen im öffentlichen Raum eröffnete dem Museum wichtige neue Perspektiven.

In der anschließenden Diskussion wurden die allgemeine Definition von Museen und das Verhältnis zu Objekten debattiert. Dabei wurde die Ansicht kritisch hinterfragt, die Sammlung als die stärkste Ressource eines Museums zu sehen. In Bezug auf die ICOM-Museumsdefinition wurde eine Loslösung vom rein sammlungsbasierten Denken gefordert. Problematisch sei zudem, dass Vermittlungsarbeit teilweise nicht als gleichwertige Museumsarbeit anerkannt werde. Zukünftig solle die Vermittlung stärker in das Selbstverständnis der Museen integriert werden. Zudem sei zu prüfen, welche Beiträge aus mobilen Sammlungen auch in die bestehenden Bestände aufgenommen werden können. Als positives Beispiel wurden die Glasgow Museums genannt, die unter anderem gleiche Gehaltsstufen für Vermittlung und Kuration vorsehen.

Bezüglich der Objekte in partizipativen Projekten wurde am Beispiel Hannovers berichtet, dass direkt auf Gewährspersonen zugegangen wurde oder Personen auf einen Zeitungsaufruf reagierten. Es wurde angemerkt, dass es auch in der klassischen Museumsarbeit üblich war, Objekte über Beziehungsarbeit zu erschließen. Wichtig sei jedoch die Reflexion darüber, wer entscheidet, wer repräsentiert wird – und wer sich gerade deshalb nicht durch klassische Museumsstrukturen repräsentieren lassen möchte. Insgesamt wurde festgehalten, dass die Wahl des Ortes gerade bei partizipativen Projekten entscheidend für die Reichweite und den Erfolg einer Ausstellung ist.

museenkoeln IN DER BOX – Anfassen erlaubt!

Julia Müller vom Museumsdienst Köln stellte in ihrem Vortrag „museenkoeln IN DER BOX – Anfassen erlaubt“ den Museumsdienst und das entsprechende Projekt vor. Der Museumsdienst organisiert die Bildungs- und Vermittlungsveranstaltungen für alle neun städtischen Museen in Köln. Ziel ist es, die Wechselwirkungen von Outreach zu nutzen, um Diversität, Inklusion und lebenslanges Lernen zu fördern, wozu auch angepasste Angebote für Kitas und Grundschulen gehören.

Das Projekt „museenkoeln IN DER BOX“ bringt das Museum mit einem Bus zu den Menschen. Die Objekte sollen vor Ort zur praktischen Auseinandersetzung mit Kultur einladen. Der Bus dient dabei primär als Transportmittel für die Objekte und die Einrichtung und ist nicht Teil der Ausstellung selbst. Um den Transport nachhaltig zu gestalten, wurde ein Elektrobus mit Solarpanels eingesetzt. Die im Bus transportierten Boxen können mit separaten Füßen zu Podesten und Vitrinen umfunktioniert und in ihrer Größe angepasst werden. Das Projekt ist stark auf Outreach ausgerichtet, um die Teilhabe am kulturellen Leben zu erhöhen und durch aktive Mitgestaltung Empowerment zu erreichen. Das Museum soll so stärker als Teil der Lebenswirklichkeit wahrgenommen werden, wofür die Präsentation von Sammlungsbeständen an Orten des Alltagslebens besonders geeignet ist. Zudem soll die Darstellung von Gemeinsamkeiten der Kölner Bevölkerung die Identitätsstiftung fördern und neue Zielgruppen erschließen. Die Ergebnisse dieser Outreach-Projekte sollen in zukünftige Museumsausstellungen einfließen, um dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung zu tragen.

Müller erläuterte am Beispiel einer Ausstellung zum Thema Wohnen den Ablauf: Zuerst wurden die Idee und das Thema ausgearbeitet, anschließend trat das Museum an Multiplikator:innen heran. In gemeinsamen Workshops wurden die Inhalte von Beginn an zusammen mit Lai:innen als Expert:innen ihres eigenen Alltags erarbeitet. Aus diesen Erfahrungen hat das Museum eine Checkliste für die Planung von Ausstellungen erstellt.

Checkliste für mobile Ausstellungen:

Räumlichkeit: Mindestens ein geeigneter Raum muss zur Verfügung stehen.
Netzwerk: Mindestens drei Institutionen in der unmittelbaren Umgebung sollten die Ausstellung besuchen/unterstützen.
Zeitraum: Eine Mindeststelldauer von einer Woche (um den Auf- und Abbau zu rechtfertigen); ideal sind ein bis zwei Wochen.
Programm: Planung von ca. zehn Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen.
Personal: Sicherstellung von Vermittlungspersonen (da die Ausstellung ohne Texttafeln kuratiert wird).

Die Angebote unterscheiden sich dabei stark nach Zielgruppe: Für Erwachsene gibt es Führungen und Dialogveranstaltungen, für Jugendliche Fotowalks mit Workshops und für Kinder kreativ-praktische Aktivitäten. Offene Angebote werden zudem mit anderen Ereignissen im Stadtteil verknüpft; Kooperationen mit der freien Kunstszene und ein Ferienprogramm für Kinder ergänzen das Angebot.

Das Vermittlungskonzept folgt dem Stil des „moderieren statt dozieren“, um den interkulturellen und intergenerationalen Austausch zu unterstützen. Das Museum IN DER BOX, so betonte Müller, sei ein Museum – aber ohne große Worte.

Zu den Erfahrungen des Projekts gehört die veränderte Beziehung zu den Besuchenden im Vergleich zu einem klassischen Museum. Mobile Museen sind immer zu Gast am Ausstellungsort und greifen in die alltäglichen Abläufe ein. Zudem sind Logistik und Transport aufwendig und nicht zu unterschätzen. Das Experiment soll Menschen ermöglichen, ihre Geschichten als Expert:innen ihres Alltags zu teilen. Die Auswahl der Objekte ist hierbei entscheidend, da sie oft zum Austausch anregen und Erinnerungen wecken. Im Verlauf der Ausstellungen wurde jedoch auch deutlich, dass manche Besucher:innen nicht aktiv partizipieren oder nicht in der Öffentlichkeit sprechen möchten.

Stadtlabor unterwegs – Historisches Museum Frankfurt

Franziska Mucha und Katharina Böttger stellten in „Stadtlabor unterwegs, online und im Museum“ das Projekt Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt (HMF) vor. Sie erläuterten, dass sich das HMF als Lernort und nicht als traditionelles Institutionengebäude begreife. Das Stadtlabor ist Teil des Wandels vom historischen Museum zu einem gegenwartsorientierten Stadtmuseum, was mit einer wiedererkennbaren Designsprache verbunden ist.

Anhand der Fragen, wer das Bild der Stadt produziert und wer daran partizipieren kann, wurden Angebote geschaffen, die Partizipation ermöglichen, aber nicht voraussetzen. Hierbei wurde das Konzept der „geteilten Expertise“ genutzt, um verschiedene Perspektiven zu erheben. Das Stadtlabor wurde als partizipative Methode konzipiert: Zu Beginn wurden Multiplikator:innen in der Stadt kontaktiert, mit denen dann gemeinsam co-kreativ über ein Jahr die Ausstellung kuratiert wurde. Die Ausstellung wurde an verschiedenen Orten präsentiert, darunter eine leerstehende Büroetage, ein Schwimmbad, ein Park sowie auf der Website „Stadtlabor Digital“.

Bei der Sommertour 2015 wurde im Rahmen eines kontributiven Ansatzes die Stadtforschung mit einem Lastenrad und einer Webseite getestet. Thema war das Design des Stadtmodells im HMF. Mittels Fragebögen, Mental-Maps und einem Fotoaufruf wurden Daten erhoben und die Geschichten der Menschen in das Modell integriert. Ein Nebenprojekt war die Aktion „Wie wohnen die Leute? Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen“. Hierfür wurden Aufrufe zur Mitarbeit veröffentlicht und das Lastenrad genutzt, um direkt in den Siedlungen präsent zu sein und die Ergebnisse digital zu präsentieren. Geschichte und digitale Objekte können so direkt in die Sammlung aufgenommen werden, ohne den langwierigen Genehmigungsprozess klassischer Ausstellungen durchlaufen zu müssen.

Auch eine partizipative Sammlung zum Thema Corona nutzte das „Stadtlabor digital“ als Plattform. Der Rückgriff auf die bestehende Infrastruktur ermöglichte eine schnelle Umsetzung und bot Raum für emotionale Geschichten. Ein Pop-up-Event im Juni generierte zusätzliche Aufmerksamkeit für die digitale Ausstellung.

In der folgenden Diskussion wurde positiv hervorgehoben, dass das Museum aktiv in die Stadtviertel ging und die Ausstellungselemente an den jeweiligen Ort anpasste. Auch die verschiedenen Partizipationsebenen wurden als gelungen bewertet. Inzwischen ist das Format gut institutionalisiert und finanziert. Als Ergänzung wurde die Schaffung einer Supervisionsstelle für den Umgang mit negativen Kommentaren und Auseinandersetzungen angeregt.

Museo Mobile – Strukturverbund „KulturWissen vernetzt“

In „Perspektiven künftiger mobiler Museumsformate“ wurde das geplante Museo Mobile des Strategieverbundes „KulturWissen vernetzt“ vorgestellt. Anschließend folgte eine Diskussion zu den Themen Zielgruppen, Öffentlichkeitsarbeit und den Spezifika von Partizipation in mobilen Settings.

Die Referent:innen präsentierten konkrete Überlegungen und offene Fragen zu diesem aufsuchenden und partizipativen Format. Geplant ist, dass die Grundmaterialien des Projekts allen Institutionen des Verbundes zur Verfügung stehen.

Sarah Wirschke präsentierte die Zielgruppen und das Konzept der Öffentlichkeitsarbeit. Die Überlegungen reichen von der Definition der Zielgruppen bis zum Selbstverständnis des Museums, das nun die Rolle eines Gastes im Alltagsraum einnimmt. Dies rückt die Frage in den Blick, wie Zielgruppen konzipiert werden – ob als Nutzer:innen, Besucher:innen, Gestaltende oder Publikum. Herausforderungen ergeben sich hierbei durch räumliche Gegebenheiten, Raumwechsel, die Wünsche und Anforderungen lokaler Communities sowie die Gewährleistung eines inklusiven Zugangs.

In der anschließenden Diskussion wurden diese Punkte intensiv vertieft. Die Projektgruppe ergänzte, dass das Museo Mobile ein Baukastensystem mit generischen Modulen zur Präsentation bieten soll, die in verschiedenen Kontexten genutzt und mit einem Kleinbus transportiert werden können. Die meisten Ausstellungen sollen in ländlichen Räumen stattfinden, um das dort generierte Wissen vor Ort zu präsentieren. Je nach Ort werden verschiedene Themen behandelt; so sollen die Studienprojekte zu Dietenbach und Neckarwestheim getrennt voneinander ausgestellt werden. Ziel ist die Darstellung von Objekten und Geschichten. Die Objekte werden partizipativ gesammelt, mit dem Museo Mobile ausgestellt und im Nachgang musealisiert und inventarisiert. Wichtig sei es, frühzeitig zu klären, welchem Verständnis von Alltagskultur das Konzept folgt, da viele Mitwirkende Alltagsgegenstände fälschlicherweise nicht als potenzielle Museumsobjekte wahrnehmen.

Julia Tohidi Sardasht stellte Partizipationsansätze für mobile Settings vor. Während bei der „Kontribution“ die Institution klare Regeln vorgibt, wird beim „Hosting“ ein freier Rahmen bereitgestellt, der den Vorstellungen der Partner:innen und Communities viel Raum lässt. Der Verbund diskutiert aktuell, zu welchem Zeitpunkt Akteur:innen involviert werden sollen, was eine der zentralen Herausforderungen des mobilen Settings darstellt. Für jede Zielgruppe ist eine neue Analyse der Bedarfe und ein Abgleich mit den vorhandenen Ressourcen nötig.

In der Diskussion wurden Vor- und Nachteile verschiedener Ausstellungsdauern besprochen. Es wurde betont, wie wichtig eine klare Fragestellung für den Einstieg in das mobile Setting ist, da dies die Grundlage für spätere Gespräche bildet. Bei offenen Formaten ist oft vorab unklar, wer eine Bühne erhält. Eine Lösung sei es, von Anfang an klar zu kommunizieren, wer wie viel Raum bekommt, und die „Spielregeln“ aktiv festzulegen. Es wurde zudem vorgeschlagen, externe Beratung hinzuziehen oder einen Verhaltensleitfaden zu erstellen.

Die Vor- und Nachteile des mobilen Formates wurden weiter debattiert. Es wurde festgestellt, dass das Format besonders gut für das Forschen und Sammeln geeignet ist, während das reine Ausstellen nicht der Hauptzweck sein sollte. Die zeitliche Angleichung an bestehende Events in der Stadt wurde unterschiedlich bewertet: Einerseits kann so ein größeres Publikum erreicht werden, andererseits schränkt dies die Flexibilität und die Möglichkeit spontaner Reaktionen auf Stadtgeschehen ein. Bei thematischer Nähe ist eine Koppelung an bestehende Events jedoch sehr sinnvoll. Während einige Orte durch ihre Lage von selbst Publikum anziehen, müssen andere frühzeitig beworben werden.

Lokale Praktiken und die Bedeutung von Orten bieten hervorragende Anknüpfungspunkte für Ausstellungen. Am Beispiel Knittlingen wurde jedoch vor der Gefahr einer Zerstörung lokaler Identität gewarnt. Nachhaltigkeit entstehe vor allem durch die Bildung von Netzwerken und neuen Verbindungen zwischen den Menschen. Gegenüber Anwohnenden müsse zudem deutlich gemacht werden, dass das Projekt kein Teil der Gentrifizierung ist. Für eine langfristige Zusammenarbeit sei es wichtig, klar zu kommunizieren, ob ein Aufenthalt eine einmalige Aktion ist, um keine falschen Hoffnungen zu wecken.

Abschließend wurde diskutiert, welche Möglichkeiten mobile Settings bieten und welche Folgen das Format für die Aufbereitung von Themen hat. Es wurde deutlich, dass die Anforderungen stark vom Objekt abhängen: Klassische Museumsobjekte werden leichter akzeptiert, während ungewöhnliche Objekte oft Irritationen auslösen, was jedoch als Gesprächsanstoß genutzt werden kann. Eine Teilnehmende verwies darauf, dass im Stadtlabor die Objekte erst während der Ausstellung entstanden. Eine andere ergänzte, dass geprüft werden sollte, welche Objekte aus bestehenden Sammlungen genutzt werden können und wie neue Objekte integriert werden. Insgesamt wurde festgestellt, dass viele Menschen eher Geschichten erzählen möchten, als physische Objekte einzubringen.

Zentrale Erkenntnisse

• Mobile Formate werden bereits von vielen Institutionen erfolgreich erprobt. Der kleinste gemeinsame Nenner ist das Verlassen der eigenen Räume und die temporäre Präsentation an anderen Orten.
• Transport und Einrichtung der Ausstellungen erfordern eine sorgfältige Planung und zeitliche Koordination und stellen einen erheblichen Zeitfaktor dar.
• Etablierte Sammlungslogiken können durch partizipative Ansätze ergänzt werden, wodurch eine geteilte Expertise entsteht, die neue Perspektiven eröffnet.
• Partizipatives Arbeiten erfordert eine offene und transparente Kommunikation gegenüber Institutionen und Communities, um Frust und falsche Erwartungen zu vermeiden.